Wie schon in unserem ersten Beitrag zur ISPO dargestellt war ganz im Gegensatz zum generellen Programm das Thema Padel ein erfreulich lebhaftes in den Messehallen in Riem. Ein weiterer Beweis dafür, dass Padel in immer mehr Köpfen ankommt und auf imposantem Wachstumskurs ist.
Filip von Playtomic sagte auf der Podiumsdiskussion direkt neben dem Padelplatz im PadelVillage auf der ISPO 2025: “Padel ist nicht nur ein Trend, dieser Sport wird bleiben.” Seiner Meinung nach wissen derzeit in Deutschland zwar nur etwa 2 von 10 Personen, was Padel ist: nämlich nicht das Stand-Up Paddeln oder ‚SUPen‘ auf dem Wasser – obgleich der Name des Sportes vom paddelähnlichen, nicht besaiteten Schläger stammt.
Das kann sich in den nächsten 5 Jahren auf jede zweite Person verbessern und schließlich auf 80-90% in 10 Jahren hierzulande steigern. In Spanien liegt die Bekanntheit von Padel bereits jetzt bei fast 100 Prozent, da es nach Fußball und sogar trotz Rafael Nadal vor Tennis (!) der Volkssport Nummer 2 ist. Da haben wir und andere Länder wie unsere österreichischen Nachbarn sicherlich noch viel Luft nach oben.
Nicole Jüttner & Thomas Nydahl plaudern aus dem Nähkästchen
Tomas Nydahl – ehemaliger schwedischer ATP Top100 Tennisspieler – ist mittlerweile Padel- Aficionado sowie Betreiber der ‚Padel Seasons‘ Anlage mit indoor und outdoor Plätzen im Münchner Norden. Er meint, dass bereits jetzt schon mehr Menschen hierzulande den Padelsport kennen, auch durch Aktivitäten wie die diesjährige Promi-Padel-WM in München. Zu dieser kann man natürlich geteilter Meinung sein, allerdings hat die Live-Ausstrahlung zur Prime-Sendezeit um 20 Uhr an einem Samstagabend auf Pro7 die Bekanntheit von Padel sicherlich gesteigert.
Tomas‘ Kollegin Nicole von Padel Seasons betont, dass ‚Community‘ im Padelsport sehr wichtig ist. Denn Padel ist – auch im Vergleich zu anderen Sportarten – ein sehr sozialer und durchaus auch Spaß-betonterer Sport.
Daher sind Aktionen wie ein Nikolaus-Turnier oder Oktoberfest-Turnier oder Kindertage eine wichtige Grundlage, um Menschen mit diesem positiven ‚Virus‘ zu infizieren und bei Laune zu halten.
Dazu braucht es auch einen (fast) Vollzeit- ‚Community Manager‘, der oder die immer neue Ideen hat und regelmäßig Events bzw. Turniere organisiert, die gut ankommen.
Ein gutes, ausgebildetes und motivierendes Trainerteam ist ebenfalls ein wichtiger Erfolgsfaktor, doch gute Trainer gibt es derzeit hierzulande noch zu wenige.
Frauen noch nicht ganz so im Padel-Fieber
Ein weiterer spannender Punkt in der Podiumsdiskussion: Nur 17% der Spieler sollen aktuell in Bayern weiblich sein. Auch hier liegt ein großes Potenzial, beispielsweise durch separate ‚Ladies Americanos‘-Turniere mit ggf. etwas weniger hartem Konkurrenzkampf die Damen zu dieser Sportart zu begeistern.
Und Padel eignet sich gleichzeitig durchaus – auch wiederum besser als in anderen Sportarten – aufgrund seiner taktischeren und weniger Kraft-geprägten Spielweise, in einem Mixed-Team zu spielen und wirklich Spaß auf dem Platz zu haben – so wie ich gestern Abend 😉
Sicherlich gibt es bei der Bekanntheit von Padel in Deutschland (und in anderen Ländern) durchaus ein Stadt-Land-Gefälle, denn Padelcourts schießen aktuell v.a. in den Großstädten aus dem Boden, während sie im ländlichen Raum leider noch eher selten sind.
München liegt übrigens bereits auf Platz 3 der meisten Playtomic „Open Matches“ hinter Berlin und Frankfurt – und vor Hamburg.
Wenn es die Lärmschutz-Verordnung in manchen Clubs zulässt, werden die Plätze teilweise bis 2 Uhr morgens bespielt. Manchmal auch mit Musik und 1-2 Bierchen, was den Padelsport eben auch sehr gesellig macht. Das bedeutet jedoch nicht, dass es nicht auch eine wettkampfsorientierte Seite gibt.
Apropos Verordnung: Tomas meinte auch, dass die Baugenehmigungen und Regularien in Deutschland viel schwieriger und langwieriger sind als in Schweden. Das steht hierzulande sicherlich einer schnelleren Verbreitung des Padelsports auch im Wege.
Das können wir nur aus eigener Erfahrung mit einigen Projektideen in unserer Nähe nur bestätigen.
Mit aktuell nur ungefähr 20 Padel-Plätzen hat München noch sehr viel Potenzial im Vergleich zu 400 Plätzen allein in Stockholm. Allerdings war es dort dann doch etwas übermäßig viel und „ungesund (zu schnell und zu viel) gewachsen“: Einige Plätze mussten dort wieder abgebaut werden.
Casa Padel mit tollem Standort in München
Markus von Casa del Padel und Betreiber u.a. der Pineapple-Park Padelanlage im ehemaligen Postcenter beim Hirschgarten im Münchner Westen meinte auch, dass er sich zunächst nicht vorstellen konnte, Padelplätze in einer Multifunktionshalle mit nur vorübergehendem Nutzungsrecht und einer abgehängten Deckenhöhe von 6 Metern aufzubauen. Die dortigen aktuell guten Buchungszahlen geben seinem Mut und seiner Initiative jedoch Recht.
Mit einer zunehmenden Anzahl an Plätzen gilt es, sich zu differenzieren, z.B. durch die Qualität der Courts und der Trainingsakademie, oder durch eine einfache digitale Buchung bzw. durch die (sozialen) Erlebnisse vor Ort.
Ein gesundes Wachstum von Padel geht natürlich auch von der jüngsten Generation aus: Kinder können und sollten besser heute als morgen an Padel herangeführt werden. Denn sie sind nicht nur für die (inter-) nationale Turnierlandschaft der Zukunft wichtig. Sie können auch der Treiber für die sportliche Betätigung der ganzen Familie relevant sein, denn häufig suchen die Kleinen nicht nur das Auto oder den Urlaub aus…und Padel kann wirklich ein toller Familienspaß sein, wegen der leichten Erlernbarkeit, den relativ geringen Kosten und dem schnell erreichbaren Spaßerlebnis – auch trotz unterschiedlicher Spielstärken, Altersklassen oder Geschlechter (siehe auch oben).
Und Unternehmen in Deutschland sollten – so wie der Autohersteller Cupra im Padel weltweit – ihre Augen und Budgets öffnen für Sponsoring-Engagements in diesem tollen, positiv besetzten und aufstrebenden Sport, der gekommen ist zu bleiben. Und momentan lassen sich noch bessere Sportförderer-Deals abschliessen als vielleicht schon in ein paar Jahren!
In diesem Sinne: Enjoy & perform
Arndt (mit Chris, der auch bei der Podiumsdiskussion auf der ISPO dabei war)



