Neulich hatten wir ein spannendes und schweißtreibendes sowie enges Match mit unserem Bundesligateam; uns gegenüber stand ein ehemaliger Top 250 Weltranglisten Tennis-Tausendsassa.
Habe ich da überhaupt irgendeine Chance? Les bis ans Ende…
Umgekehrt: hätten die Tennis-Asse Alcaraz und Sinner im Padel eine Chance gegen die Top Padel-Spieler Coello und Tapia? Es soll dazu tatsächlich eine Wette geben … wir sind gespannt …
Im Gespräch nach dem Match kam mir nach einem interessanten Austausch die Idee zu diesem Artikel, der die Gemeinsamkeiten und vor allem auch die wichtigen Unterschiede von Tennis und Padel beleuchtet.
Auf den ersten Blick wirken Padel und Tennisdoppel wie Geschwister:
zwei gegen zwei, ein Netz, gelber Filzball, gleiche Punktezählung – bis auf den Golden Point oder Star Point.
Wie kommt es zu dieser starken Ähnlichkeit?
Der Überlieferung nach hatte der mexikanische Geschäftsmann Enrique Corcuera 1965 in Acapulco „einfach nur“ einen zu kleinen Garten für einen großen Tennisplatz mit Auslaufzone.
So erfand er das ähnliche, allerdings Platz-sparendere Padel-Spiel inklusive der 4 Wände, die er auch in das Spiel mit einbezog. Damals waren die Wände noch aus Beton und die Schläger aus Holz – da hat sich zum Glück einiges getan.
Wer von der einen Sportart in die andere wechselt, merkt schnell:
Es ist ein anderes Spiel mit eigener Logik und Strategie.
Hier für dich ein Überblick über die Gemeinsamkeiten
und die entscheidenden Unterschiede.
Was Padel und Tennisdoppel verbindet
Doppelformat:
In beiden Sportarten spielen zwei Teams aus je zwei Spielern, Absprache und Positionsspiel im Team sind zentral. Einzelspiele wie im Tennis gibt es im Padel so gut wie nicht (auch wenn besondere Einzelplätze vereinzelt existieren).
Zählweise und Seitenwechsel:
Padel übernimmt die klassische Tennis-Zählweise (15-30-40-Spiel, Sätze mit 6 oder 7 Gewinnspielen, Tiebreak bis 7 Punkte bei 6:6 sowie häufig der Match-Tiebreak bis 10 im dritten Satz). Alle 2 Spiele wird die Seite gewechselt.
Netzspiel als Königsdisziplin:
In beiden Sportarten gewinnen Teams im Doppel überwiegend Punkte am Netz, nicht von der Grundlinie.
Aufschlagregeln:
Aufschlagwechsel nach jedem Spiel, 2 Aufschlagchancen jeweils pro Punkt und diagonaler Aufschlag in das gegnerische „T-Feld“, beginnend von rechts nach links.
Viele ähnliche Schläge, oft andere Namen:
Aufschlag, Grundschlag, Volley und Smash gibt es im Tennis wie im Padel. Wegen der oben beschriebenen mexikanischen Wurzeln gibt es im Padel viele spanische Begriffe: so heißt ein kurzer Ball oder Stopp „Chiquita“ (wörtlich: kleines Mädchen, nicht die Banane) oder der Slice-Smash „Vibora“ (wörtlich: die Viper-Schlange).
Die eklatanten Unterschiede
Neben den Ähnlichkeiten, gibt es auch viele Unterschiede, die wir im Folgenden in die Bereiche Technik, Taktik und Strategie gruppiert haben:
1. Die technischen Unterschiede
Schläger und Ball:
Padel wird mit einem kurzen, breiteren, perforierten Vollschläger ohne Saiten gespielt. Die Schlagfläche ist näher an der Hand und damit leichter zu koordinieren.
Der Ball ist etwas druckärmer als ein Tennisball. Das verändert Schlagtechnik und Schlagtempo grundlegend. Padel-Schläge sind kompakter, mit weniger Ausholbewegung.
Die Wände als Spielelement im Padel:
Der entscheidende technische Unterschied ist die Glas- und Gitterwand-Umrandung. Im Padel darf der Ball nach dem Bodenkontakt von den Wänden zurückgespielt werden, bevor er den Punkt verliert.
Das erfordert völlig neue Schlagtechniken wie den kontrollierten Smash von hinten nach einem Lob: der ‚Bajada de Pared‘ (zu deutsch: Angriffs-Schlag von der Wand).
Padel erfordert besondere Schläge und Techniken, die es so im Tennis nicht gibt.
Aufschlag von unten:
Im Padel wird einfacher und ausschließlich von unten (unterhalb der Taille) nach einem Aufspringen des Balls aufgeschlagen. Das nimmt dem Aufschlag die Waffe, die er im Tennis ist. Gleichzeitig verringert es die Anfangsschwierigkeiten, überhaupt ein Match miteinander spielen zu können. Wie bereits in einem anderen Artikel gesagt: „Padel ist einfach(er) zu lernen“ – allerdings auch hart, wirklich meisterhaft turniermäßig zu spielen.
Kleineres Feld ohne Auslaufzone:
Das Padel-Spielfeld ist mit ca. 20 x 10 Metern kleiner als ein Tennisdoppelfeld (23,77 x 10,97 Meter), was schnellere Reaktionszeiten am Netz erfordert. Der große Unterschied ist die Wandbegrenzung oder fehlende Auslaufzone, welche die Laufwege beim Tennis viel weiter macht. Dafür kommen im Padel aufgrund der häufig länger-andauernden Ballwechsel durch das Vor zum Netz und Zurück nach einem Lob auch durchaus einige Kilometer zusammen in einem Match.
Auf Sandplatz laufen Tennis-Doppelspieler pro gespielten Satz ca. 750 bis 1.250 Meter (also bei 2 Gewinnsätzen ca. 1,5-2,5 km). Ein Padel-Doppelspieler legt laut Studie des Sportphysiotherapeut Matthieu Lebourgeois eine Distanz von 2,1 km zurück. Also in Summe ähnliche Werte allerdings im Padel eher kurze Sprints und viele Richtungswechsel.
Geringere Geschwindigkeit und längere Ballwechsel beim Padel:
Die Durchschnittsgeschwindigkeiten der Schläge liegen bei den Herren-Profis bei ungefähr 82 km/h im Padel und bei fast doppelt so schnellen 160 km/h im Tennis.
Auch wenn die harten Smashs (keine Bandejas) in beiden Sportarten sich bei ca. 140-150 km/h befinden, ist der Tennisaufschlag fast 3mal so schnell wie im Padel.
Durch diese geringeren Geschwindigkeiten und die Wände dauern im Padel Profibereich die Ballwechsel oft über 10 bis 20 Schläge oder ca. 15- 20 Sekunden. Im Profi-Tennisdoppel enden laut sportwissenschaftlichen Studien über 81 % aller Ballwechsel nach maximal drei Schlägen und im Normalfall bei 2 bis 5 Schlägen und daher auch nach bereits ca. 3 bis 7 Sekunden.
Das bedeutet auch für die Zuschauer einen Unterschied.
Die taktischen Unterschiede
Grundlinie verliert im Padel an Bedeutung:
Im Tennisdoppel ist die Grundlinie weiterhin eine relevante Spielposition, besonders bei starkem Aufschlag oder Returns. Im Padel ist die Grundlinie fast nur Durchgangsstation – das Ziel ist fast immer, gemeinsam ans Netz vorzurücken.
Lob als zentralere Waffe im Padel:
Da Bälle von den Wänden zurückgespielt werden können, wird der Lob im Padel zur wichtigsten taktischen Waffe, um ein Team von der Netzposition zu verdrängen. Im Tennis ist der Lob eher eine punktuelle Variante, kein Grundpfeiler der Taktik.
Geduldige Punktekonstruktion im Padel anstatt risikoreichere Winner:
Im Tennisdoppel entscheiden oft druckvolle Schläge, Aufschlag-Returns und Winner über Punkte. Im Padel werden Punkte meist über längere schachartige Ballwechsel konstruiert – Geduld und Fehlervermeidung schlagen reines Powerplay.
Positionsspiel im Team:
Beide Sportarten verlangen synchrones Bewegen des Teams (Seit- und Vorwärtsbewegung als Einheit), im Padel ist dieses Prinzip durch die Wandspiele aber noch enger getaktet und fehlerverzeihender, da auch harte, fast schon „verlorene“ Bälle über die Wand zurückkommen. „The wall is your friend“, wie mein spanisch-argentinischer Padeltrainer gerne sagt.
Die strategisch-mentalen Unterschiede
Fehlertoleranz und Geduld:
Padel belohnt geduldiges, fehlerarmes Spiel stärker, da durch die Wände mehr Bälle im Spiel bleiben.
Tennisdoppel verlangt oft schnellere Entscheidungen unter höherem Punktedruck, da Fehler unmittelbarer bestraft werden.
Kommunikation und Spielkultur:
Padel hat sich als kommunikativer Sport etabliert – Absprachen unter den Partnern insbesondere während des Punktes sind hilfreich und üblich:
z.B. bei einem Lob: „Beide Gegner kommen ans Netz.“ Oder „Bleiben hinten.“.
Diese Dialoge werden von der Padel-Community positiv gesehen.
Im Tennisdoppel gilt während des Punkts eher strengere Stille. Der Austausch unter den Partnern findet primär zwischen den Punkten statt.
Und Padel ist durchaus etwas sozialer und auf den Fun-Faktor bedacht, wie eine Spielerin der deutschen Nationalmannschaft meinte: beim ersten Padelmatch hat es sie verwundert, dass die Gegner ihr ‚viel Spaß und ein gutes Spiel‘ wünschten. Es kommt auch vor, dass selbst bei Landesmeisterschaften spanische Musik nicht nur in den Pausen aus den Lautsprechern klingt.
Risikomanagement:
Im Tennis kann ein einzelner starker Aufschlag oder Winner ein Spiel entscheiden – das mentale Spiel ist stärker von einzelnen Schlüsselmomenten geprägt.
Im Padel zahlt sich konstantes, risikoärmeres Spiel über die gesamte Ballwechsellänge meist mehr aus als spektakuläre Einzelaktionen.
Drucksituationen:
Da im Padel die Ballwechsel im Schnitt länger dauern, verschiebt sich der mentale Druck von einzelnen Schlägen hin zur Fähigkeit, über viel Hin und Her konzentriert zu bleiben.
Zusammenfassend lässt sich sagen:
Padel und Tennisdoppel teilen die gleiche Grundidee, unterscheiden sich aber durch die Wandnutzung fundamental in Technik, Taktik und strategisch-mentaler Spielweise.
Wer aus dem Tennisdoppel kommt, bringt gutes Netzspiel und Teampositionierung mit, muss aber für ein gutes oder besseres Padelspiel lernen,
Geduldigen Punkte-Aufbau über risikoreiche Direktpunkte und
gefühlvolle Präzision bzw. Kontrolle über harte schnelle Power
zu stellen!
Und er oder sie sollte die Wände als Verbündete sehen und nutzen anstatt als Hindernis.
Übrigens, das Match mit dem Top 250 Tennisspieler ging im 3. Satz im Champions-Tiebreak knapp an uns – mit einem zu druckvollen, waghalsigen Volleyfehler der anderen Seite als Matchball.
Der Gegner gab sich geschlagen und lernwillig für das nächste Mal. Und er lobte anerkennend unsere sicherere, platziertere Spielweise.
In diesem Sinn, enjoy & perform
Euer Arndt (gemeinsam mit Chris)
Fotos:
Padelmotive: Padel FIP
Tennis: Chris
Aufmacher: KI-generiert



