Padel-Mindset: Power of Mentality, Niederlagen und Big Points

Ein enges Match, Breakbälle ohne Ende – und trotzdem verlierst du.
Arndt Schmidtmayer von padeleros.de spricht im Interview mit Daniel „Lingo“ Lingen – dem erfahrenen ‚Lothar Matthäus‘ der deutschen Padel-Nationalmannschaft – warum Niederlagen im Padel oft im Kopf vor, während und auch nach dem Punkt entschieden werden: Wetterbedingungen, Netzroller, Golden Points, Partner-Feedback – und der schmale Grat zwischen Emotion und Eskalation.

Die Niederlage, die weh tut: „Wir waren eigentlich besser“

Arndt: Was war deine heftigste Niederlage?
Lingo: Letztes Jahr. Wieder mal wie so oft gegen Nick(Nick Merten) und Böhni (Christian Böhnke). Zuvor zwei Niederlagen in Folge – jedes Mal in drei Sätzen – gegen die beiden auf Augenhöhe. Gegen Bela (ehemalige Nummer 1 der Welt Fernando Belasteguín) zu verlieren, ist leicht weggesteckt, da weiß ich einfach, dass ich froh bin, wenn ich ein paar einzelne Punkte und Spiele gewinne. Da ist meine Erwartungshaltung auch nicht ‚Sieg‘.
Arndt: Ja, die richtigen Erwartungen spielen eine wichtige Rolle. Es nagt eben an einem mehr, wenn du super enge Matches auf Augenhöhe knapp verlierst – gefühlt von Breakball zu Breakball, aber diese selber nicht nutzt.
Lingo: Die härtesten Niederlagen fühlen sich unfair an, weil du „dran“ warst. Genau da zeigt sich mentale Stärke: (negative) Bewertung stoppen, Situation lesen, positiv intelligent weiterarbeiten.

„Du hast gefühlt den Punkt schon gewonnen – und dann verlierst du ihn am Ende. Oder umgekehrt: Du hast gefühlt den Punkt schon verloren – und dann gewinnst Du ihn am Ende!“  — Lingo

Key-Momente: technisch und körperlich „reinbeißen“ reicht nicht, du musst mental fit sein

Arndt: In Key-Situationen musst du technisch, körperlich und eben psychisch alles reinwerfen. Die erfolgreiche Tennisspielerin Laura Siegemund steigert ihre mentale Stärke in den Pausen also Seitenwechseln durch ein bewusstes, konzentriertes Breathwork unter dem Handtuch über dem Kopf.  
Lingo: Ja, genau, guter Punkt! Wir waren gut vorbereitet, hatten alles analysiert – und trotzdem reicht’s nicht, wenn der Gegner in den entscheidenden Big Points stärker ist und du den Glauben verlierst.
Arndt: Sieg oder Niederlage beim Padel kippen in Miniserien, nicht an einem einzigen Moment alleine. Manchmal ist der Unterschied nur noch ein hart erkämpfter Rettungsball anstatt diesen mental aufzugeben: „ist eh schon durch“. 
Wie auch in den Barcelona Finals letztes Wochenende im Herrenfinale bei so vielen absolut knappen Punkten in Serie.
Lingo: Das kann einem selbst unglaublich viel Kraft geben und den Gegner etwas „runterziehen“, dass er den fast schon gewonnenen Punkt nicht für sich entscheiden konnte. Beim Halbfinale der Deutschen Meisterschaft ging es mal wieder gegen Nick & Böhni. Ich hatte nach vielen Führungsmomenten beim 5:2 im Tiebreak im 3. Satz Tränen in den Augen vor selbstgemachtem Druck – denn es ging ja nicht um Millionen Euro, sondern ums Prestige. So kurz vorm Sieg und dann gleichen die Anderen aus, 5:5, Wahnsinn, doch am Ende haben wir es mit 7:5 geschafft! Endlich gewonnen! Pure Erleichterung, aufatmen, loslassen, Genugtuung.

„Es gibt nicht nur einen entscheidenden Moment, sondern viele in einem Match. Und die Entscheidung in dir selbst, wie du diese Momente verarbeitest“ — Lingo

Pech im Padel: Netzroller & „Scheiben-Variable“ – kein Alibi

Arndt: Wie definierst du Pech auf dem Platz?
Lingo: Für mich vor allem Netzroller.
Das Gift bei einem Netzroller oder ähnlichem ist das Timing: Ein Netzroller bei 0:0 ist egal. Bei Golden Point macht er dein Nervensystem laut. Langfristig gleicht sich das aber alles aus, in besonderen Situationen trotzdem extrem frustrierend.
Arndt: Glück und Pech bzw. schwierige Bedingungen wie die blendende Sonne gleichen sich ja oft oder sogar meistens auf beiden Seiten aus: keiner hat 30 Netzroller in einem Match und der Andere gar keinen. Auch wenn man manchmal dies so glaubt.  

„Am Ende setzt sich Qualität durch – auf allen Niveaus.“ — Lingo

Nach dem Match: Nicht ins tiefe Loch fallen – aber auch nicht „scheißegal“

Arndt: Gelassenheit ist wichtig, nicht ins ‚Negativgrab‘ fallen. Aber „alles egal“ hilft dir auch nicht.
Lingo: Nach der Niederlage waren wir komplett geladen. Die nächste Stunde war für den Arsch – wütend, sauer, frustriert. Das Duschgel fliegt dann auch mal durch die Duschkabine,
Arndt: Danke für deine Offenheit und Ehrlichkeit, lieber Lingo. Emotion ist normal und an der richtigen Stelle in der richtigen Dosierung gut. Und wenn etwas nach dem Spiel raus muss, dann muss es raus. Besser in der Duschkabine, als auf dem Platz. Wichtig ist auch dann danach das Runterkommen, damit du mit klarem Kopf das Match auswerten kannst.

„Manchmal muss man auch Emotionen rauslassen und vielleicht eine Nacht drüber schlafen und die Gedanken sortieren, bevor man auf das verlorene Match zurückblickt.“ – Lingo

Feedback entscheidet, ob ihr wachst oder euch zerlegt

Arndt: Im Hobbybereich wird Feedback oft vermieden oder schlecht bzw. negativ gegeben: „Du hast das und das falsch oder schlecht gemacht!“.
Lingo: Feedback ist super wichtig – aber konstruktiv. Nicht „du hast scheiße gespielt“, sondern: „Wir hatten eine Strategie – wie haben wir sie umgesetzt und was können wir beide – also jeder von uns – beim nächsten Mal besser machen.“

„Sobald du wieder einen klaren Kopf hast: Situation vernünftig evaluieren und die richtigen Schlüsse ziehen. Gemeinsam klären, wie ihr in entscheidenden Situationen ‚griffiger‘ bleibt – ohne die angesprochene Negativspirale.“ – Lingo

Keine Ausreden-Kultur: Sonne, Wind, Wände?

Lingo: Wenn jemand Sonne, Wind oder Wände als ‚Entschuldigung‘ vorschiebt, ist das ein Zeichen von Schwäche. Die Bedingungen sind für beide Teams gleich.
Arndt: …und gleichzeitig sieht und hört man diese ‚falschen Beschwerden‘ sehr häufig, zumindest im Hobby-Level. Im Profi-Bereich hört man diese Entschuldigungen sehr selten. Also besser abprallen lassen und bei sich bleiben anstatt sich von seinen inneren Saboteuren wie der Opfer in seiner Rolle oder dem Ängstlichen leiten zu lassen und dadurch den Gegner zu stärken und noch mehr zu verlieren.
Lingo: Ja, genau, Arndt.

„Padel bietet wie jede Sportart immer eine Ausrede. Fortschritt beginnt bei der Selbstwahrnehmung: Was war mein Anteil – und was ändere ich konkret?“ – Lingo

6 Tipps & Tricks fürs nächste Match

Das richtige Anspannungsniveau, insbesondere bei Big Points 
Nicht zu locker, nicht zu verbissen bzw. ängstlich: (an-) gespannt und konzentriert aber nicht verspannt in die entscheidenden Punkte gehen
Immer an sich glauben und Ruhe bewahren, wenn es zu kippen droht 
Tempo raus, sichere Punkte aufbauen, Kommunikation mit dem Partner kurz & positiv motivierend.
Fehler- & Netzroller-Reset (10 Sekunden) 
Tief einatmen und wieder ausatmen. Schultern und Kopf hoch: „Auf zum nächsten Ball.“
Jammern und Schreien killt die eigene Energie, gibt diese dem Gegner
Die äußeren Bedingungen sind für alle gleich – das positiv-intelligente Mindset bringt Fokus und Erfolg – das ist eure bewusste Entscheidung.
Mini-Review immer wieder direkt mit Partner, Deep-Dive später
Sofort 1 Learning konstruktiv mit dem Partner austauschen, tiefergehende Analyse erst mit klarem Kopf (notfalls am nächsten Tag).
Konstruktives Feedback nach Niederlagen statt Schuldzuweisungen
„Haben wir unsere Strategie befolgt und was können wir beide verbessern?“ schlägt „Du hast / musst / darfst nicht…“.

„Das Mentale zählt zu mehr als 50%“ — Lingo

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